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70. Jahrestag der Befreiung

Beginn: Fr, 08. Mai 18:00 CEST 2015
Ende:   Fr, 08. Mai 20:00 CEST 2015
Ort:   Berlin-Treptow, Sowjetisches Ehrenmal, Treptow, Puschkinallee
Geodaten: (N 52.4863),(E13.4714)
Kartenausschnitt anzeigen:

Kontakt: http://berlin.vvn-bda.de
Tags: Krieg, Faschismus, Nazis, Tag der Befreiung, Sowjetunion, Gedenktag, Frieden

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Zentrale Kundgebung zum 70. Jahrestag der Befreiung


8. Mai 2015 18 Uhr
Sowjetisches Ehrenmal, Treptow

Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V [VVN-BdA]

Berliner Erklärung zum 8. Mai 2015: 8. Mai 1945 – Tag der Befreiung!

Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In
Deutschland empfanden vor allem die Überlebenden des Holocaust, der
Konzentrationslager und Zuchthäuser und ihre Angehörigen, die befreiten
Zwangsarbeiter_­innen den 8. Mai als den lang ersehnten Tag der Befreiung. Aber
auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in
Frieden, Freiheit und Vielfalt den alliierten Streitkräften. Die Rote Armee und
die sowjetische Bevölkerung hatten die größte Last des Krieges zu tragen. Mit
besonderer Dankbarkeit erinnern wir an die Befreierinnen und Befreier, die
Soldatinnen und Soldaten der Roten Armee, die gemeinsam mit polnischen
Kombattantinnen und Kombattanten Berlin befreiten. Unvergessen bleibt der
Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der
Emigration, in Partisanenverbänden und in den Streitkräften der
Antihitlerkoalition geleistet hat. Wir erinnern auch an jene Berlinerinnen und
Berliner, die sich z.B. mit dem Hissen von weißen Fahnen der Aufforderung zum
Endkampf entzogen.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Holocaust und
Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der
Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Für die Befreiung
Berlins gaben noch über 50.000 Rotarmisten ihr Leben. Bis zur bedingungslosen
Kapitulationam 2. Mai erschossen im Berliner Stadtgebiet Wehrmacht, Gestapo und
SS politische Häftlinge, Deserteure und „Verräter“. Zuvor waren
ZehntausendeInsassen der Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück und
ihrer Außenlager auf Todesmärsche geschickt worden.

In nahezu allen von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9.
Mai gesetzliche Feiertage, dies war auch in der DDR der Fall. 40 Jahre hat es
gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik den 8. Mai als Tag der Befreiung
anerkannt und gewürdigt hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der
Profiteure, Mitläufer und Zuschauer das offizielle Vokabular geprägt:
Zusammenbruch, Kapitulation, Niederlage, Besatzung, Stunde Null, Neubeginn. Mit
Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes
„gesellschaftsfähig“. Ein Tag der Erinnerung und Mahnung wurde der 8. Mai jedoch
in der Bundesrepublik nicht.

Auch in diesem Jahr weigert sich die Bundesregierung, den 8. Mai als staatlichen
Gedenktag zu begehen, der in Mecklenburg-Vorpommern bereits Realität ist und in
Brandenburg 2015 eingeführt werden soll.

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg
endlich auch in Berlin und in ganz Deutschland ein offizieller Gedenktag wird,
um den Tag zu feiern, den der als Jude und Kommunist verfolgte Kämpfer der
Résistance, Peter Gingold, 1945 in Paris als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt
hat..

Wir verlangen, dass die hoch betagten sowjetischen Kriegsgefangenen und die
Opfer von Wehrmachtsmassakern entschädigt und die letzten noch lebenden
deutschen Kriegsverbrecher angeklagt und verurteilt werden.

Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und gesellschaftliche
Ausgrenzung haben Konjunktur. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen
auf Flüchtlinge. Zugleich wird antifaschistische Gegenwehr kriminalisiert. Der
rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu
allen europäischen Ländern verlangt entschiedenen Widerstand.

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe kriegführender Länder stellt einen
Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Nie wieder Krieg von deutschem Boden“, dar –
der wichtigsten Lehre aus der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. In vielen
Ländern der Welt toben Kriege, sind gegen den Willen der Mehrheit der
Bevölkerungdeutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – beteiligt.

Wir erinnern am 8. Mai an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege,
Elend und Unterdrückung und treten für eine neue Welt des Friedens und der
Freiheit ein, wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben:

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Wir unterstützen den Friedensappell ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener vom
1. September 2014, die zur Versöhnung zwischen Ukrainern und Russen aufrufen:
„Besinnt Euch! Erstickt Euren Hass, redet miteinander statt aufeinander zu
schießen! Hört auf uns, die in faschistischen Lagern das wenige Brot miteinander
teilten. Benehmt Euch wie Mitglieder einer Familie, in der man sich streitet im
Bewusstsein gegenseitigen Respekts und sich wieder verträgt. Macht endlich
Frieden miteinander!“

Die zentrale Kundgebung der Berliner VVN-BdA zum Tag der Befreiung vom
Faschismus findet am

8. Mai 2015 um 18.00 Uhr am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park statt.

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